Wasn da los? Folge 24: Das Geschenk des Lichts



Der Abend bricht herein, die Schatten im Zimmer werden länger. Ein kurzer Druck auf den Schalter und augenblicklich flutet warmes Licht den Raum. Wir denken nicht einmal darüber nach. Ob abends auf dem Heimweg, beim Lesen im Bett oder wenn mitten in der Nacht der Weg zur Toilette ansteht – Licht ist immer da, selbstverständlich wie die Luft zum Atmen. Wenn wir heute durch den finsteren Wald stapfen, reicht ein Daumendruck und die Taschenlampe im Smartphone erhellt den Pfad wie von Geisterhand.
Wir empfinden diese künstliche Helligkeit als selbstverständlich, doch sie ist der größte Gamechanger der Menschheitsgeschichte. Ohne die Erleuchtung auf Knopfdruck würde unsere moderne Industrie stillstehen. Und doch vergessen wir im grellen Dauerglanz oft, wie kostbar und einst hart erkämpft dieser Luxus war.
Wir gehen 1800 Jahre zurück – in die Zeit des Römischen Reiches.
In einer römischen Villa in der Abenddämmerung entzündet ein Sklave eine kleine Öllampe. Der flackernde Docht wirft tanzende Schatten an die Wand. Draußen in den Straßen ist es stockfinster, und die Menschen fürchten sich vor den Gefahren der Nacht. Nur wenige Fackeln erhellen die Wege. Wer Licht wollte, brauchte Öl, Dochte und die ständige Sorge, dass das offene Feuer die eigene Hütte in Brand setzt. Ein kleines Licht war ein wertvolles Gut, das sparsam verwendet werden musste.
Die Göttin Sunna zieht mit ihrem strahlenden Wagen über den Himmel, um den Menschen das Tageslicht zu bringen, während Máni den Mond lenkt. Sie beobachten das flackernde Flämmchen in der römischen Villa und schütteln lächelnd den Kopf über die geringe Kraft, die sich die Menschen mühevoll geschaffen haben. In den alten Tagen hing das Überleben oft davon ab, wie gut man die Dunkelheit fürchten und beherrschen konnte.
Wir kehren zurück in die Gegenwart. Der Blick wandert zur Deckenlampe, die den gesamten Raum erstrahlen lässt. Ein unendlicher Strom aus Energie, der unsere Welt heller gemacht hat als jemals zuvor.
Wie oft nutzen wir diese Helligkeit, ohne jemals darüber nachzudenken, wie dunkel das Leben ohne sie wirklich wäre?

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