Wasn da los? Folge 23: Ein bunter Teppich



Es duftet nach Kreuzkümmel, frischem Koriander und gegrilltem Fleisch. Auf dem großen Platz drängen sich Menschen verschiedenster Herkunft. Hier lacht eine Gruppe junger Leute über einen Witz in gebrochenem Deutsch, dort feilscht ein älterer Herr mit einem Händler über exotische Früchte. Für einen Moment verschwinden die alltäglichen Sorgen und es zählt nur das Lächeln des Gegenübers, der gemeinsame Genuss und die Neugier auf das, was der andere zu erzählen hat.
Doch manchmal schleicht sich ein Schatten in die bunte Szene. Ein ungläubiger Blick hier, ein Vorurteil da, ein kurzes Zögern vor dem Unbekannten. Es kostet Mut, sich auf das Neue einzulassen, doch der Gewinn ist unendlich. Sich abzuschotten würde bedeuten, sich selbst zu verkleinern und all die wunderbaren Farben des Lebens zu übersehen.
Wir gehen 1100 Jahre zurück – ins Zeitalter der Wikinger und ihrer Handelsmetropolen wie Haithabu.
In der geschäftigen Hafenstadt drängen sich die Knorren dicht an dicht. Hier treffen Nordmänner mit Zöpfen und kunstvoll verzierten Schwertern auf Händler aus dem fernen Orient und Reisende aus dem angelsächsischen Raum. Am Strand von Haithabu mischen sich fremde Laute, Silber wird gewogen, und feine Seidenstoffe wechseln den Besitzer gegen edlen Bernstein und Pelze. Die Stimmung ist elektrisierend und zuweilen auch von Misstrauen geprägt, doch die Faszination für das Fremde überwiegt. Durch den Austausch von Waren wächst auch das Verständnis für die Bräuche der jeweils anderen Welt.
Die Götter beobachten das Treiben vom Himmel über dem Fjord. Heimdall, der Wächter der Welten, steht an der Regenbogenbrücke und überwacht das bunte Treiben, seine Sinne sind scharf, um jede Gefahr abzuwehren. Doch Freyja, die Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit, mischt sich unerkannt unter die Menschen, fasziniert von den verschiedenen Arten der Zuneigung und den prachtvollen Gewändern aus fernen Ländern. Sie erkennst, dass echter Reichtum in der Vielfalt des Austauschs liegt und nicht in der Isolation.
Die Welt wird durch die Unterschiede bunter, nicht grauer – wie groß muss die eigene Welt sein, in der kein Platz für diese Vielfalt ist?
Wir kehren zurück in die Gegenwart. Der Marktplatz ist verstummt, aber die Eindrücke bleiben. Wenn wir die Tür zum Fremden öffnen, bereichern wir unser eigenes Leben mit unerwarteten Facetten.

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