Wasn da los? Folge 1: Die Reise
„Ich bin gleich da.“ Vier Worte, heute kaum der Rede wert. Du steigst ins Auto, tippst das Navi und ärgerst dich, weil aus 18 plötzlich 24 Minuten werden. Sechs Minuten, ein kleiner Umweg, ein kleiner Fluch.
Aber stell dir vor, jemand hätte dir vor 1500 Jahren gesagt:
„In einer Stunde bist du 100 Kilometer weit.“ Du hättest ihn wahrscheinlich für verrückt erklärt. Damals war jede Reise ein kleines Abenteuer. Und manchmal das letzte. Wege waren selten gepflastert, führten über schmale Trampelpfade, durch dichte Wälder, über reissende Flüsse und durch Moore, die Mensch und Tier verschlingen konnten. Eine Brücke? Ein Luxus. Ein Gasthaus? Ein Glücksfall. Wer zu Fuß reiste, schaffte vielleicht 20 bis 30 Kilometer am Tag, wenn das Wetter mitspielte. Ein Pferd machte die Reise schneller, aber nicht ungefährlicher. Und wenn dunkle Wolken aufzogen, glaubten viele, Thor liesse seinen Hammer über den Himmel donnern. Reisende blickten nach oben und hofften, dass die Götter ihnen den Weg nicht versperrten. Wer übers Meer musste, vertraute auf Njörd, den Herrn der Wellen. Denn eine stürmische Nacht konnte alles beenden.
Heute reisen wir schneller, weiter und sicherer als die Könige damals. Und trotzdem genügt manchmal ein kleiner Stau, damit wir ungeduldig werden. Vielleicht ist der größte Luxus unserer Zeit gar nicht das Auto oder der Zug oder das Flugzeug. sondern die Gewissheit, dass wir fast immer sicher ankommen.
Und wenn du das nächste Mal genervt auf die rote Linie im Navi schaust, denk daran, dass vor 1500 Jahren nicht die Verspätung die größte Sorge war, sondern ob man überhaupt je zurück kommen würde.
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