Wasn da los? Folge 2: Hunger auf Knopfdruck

"Ich hab nichts zu essen." Diesen Satz hast du bestimmt schon mal gesagt. Du öffnest den Kühlschrank. Käse. Wurst. Joghurt. Ein paar Eier. Gemüse.
Im Brotkasten liegt noch ein frisches Brot. Du schaust trotzdem rein, seufzt und machst die Tür wieder zu. "Nichts da."
Fünf Minuten später sitzt du im Auto, fährst zum Supermarkt oder gönnst dir nen Burger. Problem gelöst. Aber jetzt stell dir mal vor, jemand nimmt dir all das 
Kein Kühlschrank. Kein Supermarkt. Keine Tiefkühlpizza.

Willkommen vor rund 1000 Jahren. Damals begann jede Mahlzeit lange bevor der Hunger kam. Felder mussten bestellt werden. Saatgut musste aufgehen. Regen musste zur richtigen Zeit fallen. Tiere mussten den Winter überleben. Und wenn die Ernte ausblieb, wurde es gefährlich. Viele Menschen glaubten, Freyr, die Göttin der Fruchtbarkeit und der Ernte, habe seine schützende Hand zurückgezogen. Vielleicht waren die Götter zornig, vielleicht hatte man sie nicht ausreichend geehrt.
Und irgendwo saß Loki vermutlich grinsend auf 'nem Felsen und freute sich über das Chaos. Wenn plötzlich der Mehlsack riss oder die Vorratskammer von Mäusen heimgesucht wurde, hätte er bestimmt behauptet, das sei reiner Zufall gewesen.

Heute kennen wir Wetterkarten, Dünger, moderne Landwirtschaft und weltweite Lieferketten. Wir wissen, warum Ernten gut oder schlecht ausfallen. Unsere Vorfahren konnten nur hoffen. Sie lebten nicht von der Auswahl im Supermarkt, sondern von dem, was die Natur ihnen schenkte.
Vielleicht ist der größte Luxus unserer Zeit deshalb gar nicht die riesige Auswahl an Lebensmitteln. Sondern die Gewissheit, dass wir fast jederzeit Nachschub bekommen.
Wenn du das nächste Mal den Kühlschrank öffnest und denkst, da ist ja nichts drin, wirf noch einen zweiten Blick hinein.
Denn für viele Menschen vor tausend Jahren wäre genau dieser Kühlschrank ein Schatz gewesen.

Und falls dir dabei ein schelmisches Grinsen begegnet, gib nicht Loki die Schuld.
Diesmal bist du einfach nur verwöhnt.



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