Wasn da los? Folge 12: Ein Arztbesuch, der Leben verändert

Du wachst morgens auf. Der Tag beginnt wie immer. Doch plötzlich sticht es im Zahn. Bei jedem Bissen schlimmer. Also Termin gemacht, zum Zahnarzt, ein paar Minuten Behandlung, Schmerz weg. Oder es ist ein dröhnender Kopf. Ab in die Apotheke, Tablette geholt. Halbe Stunde später wieder Alltag. So leben wir heute. Krank, Arzt, Krankenhaus Medikamente.
Doch drehen wir die Zeit 1500 Jahre zurück, ins frühe Mittelalter. Zahnschmerzen, aber kein Anruf, kein Wartezimmer, kein Zahnarzt. Der Schmerz bleibt den ganzen Tag. Vielleicht gibt es einen Heiler im nächsten Dorf. Vielleicht helfen Kräuter. Vielleicht auch nicht. Wenn ein Zahn gezogen werden muss, dann ohne Betäubung. Eine kleine Entzündung kann gefährlich werden. Ein Fieber, das wir heute mit ein paar Tabletten behandeln, entschied damals manchmal über Leben und Tod. Draußen streicht der Wind durch die Bäume. Vielleicht glaubt jemand kurz, Odins Blick in den Wolken zu sehen. Als würde er schweigend zusehen. Und irgendwo, fast unbemerkt, stößt Loki mit einem verschmitzten Grinsen einen kleinen Beutel mit Heilkräutern an.
Heute erwarten wir Hilfe in Minuten oder Stunden. Und gerade weil das so normal geworden ist, sehen wir kaum noch, wie außergewöhnlich dieser Fortschritt ist. Vielleicht ist der größte Fortschritt nicht das Smartphone oder das Auto, sondern die Chance, Schmerz nicht einfach ertragen zu müssen.
Wenn du das nächste Mal aus der Praxis kommst oder in der Apotheke eine Packung Tabletten in der Hand hältst, halte einen Moment an. Für dich ist es ein gewöhnlicher Dienstag.
Für jemanden vor 1500 Jahren wäre es nicht weniger als ein Wunder gewesen. Manchmal erkennen wir den größten Fortschritt erst, wenn wir uns vorstellen, wie es ohne ihn ist.



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