Wasn da los? Folge 10: Nur mal eben duschen

Es ist heiss, du kommst verschwitzt nach Hause, steigst unter die Dusche und drehst den Wasserhahn auf. Warmes Wasser in Sekunden, die Hitze weg, der Schweiss verschwunden. So selbstverständlich, dass wir kaum darüber nachdenken.
Jetzt drehen wir die Zeit 1200 Jahre zurück, mitten ins frühe Mittelalter. Du kommst auch erschöpft zurück. Der Tag war lang. Die Kleidung staubig, der Körper klebrig. Doch es gibt keine Dusche. Bevor auch nur ein Tropfen warmes Wasser deine Haut berührt, beginnt die Arbeit. Wasser muss Eimer für Eimer geholt werden. Holz wird gehackt, das Feuer entzündet und ein Kessel erhitzt. Das dauert nicht Minuten, sondern oft Stunden. Vielleicht erzählt jemand am Feuer Geschichten von Odin, dem Gott der Weisheit. Draußen grollt ein Gewitter. Manche meinen, Thor zieht über den Himmel. Und genau in dem Moment kippt einer der mühsam gefüllten Wassereimer um. Niemand hat gesehen, wie es passiert ist. Nur ein flüchtiges Grinsen scheint zwischen den Schatten aufzutauchen. Loki hatte wohl wieder seinen Spaß.
Heute reicht eine Drehung am Hahn. warmes Wasser fliest in Sekunden. Wir duschen nach der Arbeit, nach dem Sport oder einfach, weil wir uns frisch fühlen wollen. Kaum jemand denkt darüber nach, wie außergewöhnlich dieser Luxus ist. Vielleicht besteht der größte Unterschied zwischen damals und heute nicht darin, dass wir mehr besitzen. Vielleicht haben wir einfach nur verlernt, über die kleinen Wunder des Alltags zu staunen.
Wenn du heute Abend unter der Dusche stehst und das warme Wasser deine Haut berührt, halte für einen Moment inne. Denk daran, wie viele Menschen vor dir alles dafür gegeben hätten, genau diesen Augenblick zu erleben. Denn Fortschritt bedeutet nicht nur, dass das Leben einfacher wird. Er lässt uns manchmal auch vergessen, wie wertvoll die Dinge sind. Vielleicht beginnt Dankbarkeit genau dort, im stillen, unscheinbaren Alltag.


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