Wasn da los? Folge 13: Wie du wieder aussiehst!

Du gehst durch die Stadt. Dir kommt jemand entgegen. Bunte Haare, tätowierte Arme, Piercings, zerrissene Jeans. Zwei Menschen hinter dir werfen sich einen Blick zu. Einer schüttelt den Kopf und sagt leise wie der schon wieder aussieht. Dabei ist noch kein einziges Wort gefallen. Keiner kennt seinen Namen. Keiner weiß, wen dieser Mensch liebt, was er arbeitet oder wie er ist. Trotzdem fällt das Urteil schneller als der erste Eindruck überhaupt vorbeigehen kann.
Doch drehen wir die Zeit 1800 Jahre zurück. In die Zeit der Germanen. Du stehst am Rand einer Siedlung, plötzlich kommt eine Gruppe fremder Krieger. Ihre Kleidung ist anders, fremde Frisuren, manche Körper bemalt. Die Kinder ziehen sich zurück, die Erwachsenen greifen vorsichtig zum Speer. Nicht, weil sie wissen, wer dort kommt, sondern weil sie es nicht wissen. In einer Welt ohne Polizei, ohne schnelle Nachrichten konnte ein Fremder Gefahr oder ein künftiger Verbündeter sein. Und irgendwo am Rand sitzt Loki auf einem umgestürzten Baumstamm. Grinst sein typisches Grinsen und flüstert den Leuten genau das ein, was sie sowieso denken. Urteile schnell. Nachfragen kostet Zeit. Und genau das tun sie. 
Heute leben wir in einer anderen Welt. Die meisten Menschen, denen wir begegnen, wollen uns nichts Böses. Trotzdem urteilen wir oft noch so schnell wie unsere Vorfahren. Nur geht es heute nicht mehr um das Überleben, sondern um Kleidung, um Tattoos oder um den eigenen Stil. Vielleicht tragen wir alle unbewusst ein unsichtbares Schild aus Vorurteilen vor uns her. Dabei sagt das Aussehen oft nur, wie jemand aussehen möchte. Nicht, wer dieser Mensch wirklich ist.
Vielleicht besteht echter Fortschritt nicht nur aus moderner Technik oder schnellen Autos. Vielleicht zeigt er sich erst dann, wenn wir lernen, einen Menschen kennenzulernen, bevor wir ihn bewerten.
Wenn dir das nächste Mal jemand begegnet, der ganz anders aussieht als du, stell dir eine einfache Frage: Sehe ich gerade einen Menschen oder nur mein eigenes Vorurteil? Denn manchmal ist das Urteil, das wir über andere fällen, in Wahrheit nur ein Spiegel unserer eigenen Gedanken.
Und wer zuerst zuhört, statt zu urteilen, entdeckt oft eine Geschichte, die kein Äußeres jemals verraten würde.




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